Testosteron, Prolaktin & Co.

Die klinisch bedeutsamste Hormonstörung des Mannes stellt sicherlich der Testosteronmangel (Hypogonadismus) dar. Die männliche Testosteronproduktion  findet im wesentlichen in den Hoden statt, welche dabei durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) reguliert werden. Je nachdem, wo bei einem Testosteronmangel die Störung lokalisiert ist, spricht man bei Funktionsstörungen des Hodens von einem „primären“ und bei Funktionsstörungen der Hirnanhangsdrüse von einem „sekundären“ Hypogonadismus. Eine Mischform zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus stellt der altersassoziierte Testosteronmangel (sog. „late-onset Hypogonadismus“) dar. Klinische Zeichen eines Testosteronmangels können sexuelle Symptome wie der Verlust der sexuellen Lust (Libido) oder Erektionsstörungen, insbesondere der Verlust spontaner morgendlicher Erektionen sein. Daneben kann ein Testosteronmangel aber auch zu Antriebsverlust und Depressivität, Gewichtszunahme und Osteoporose führen.  Auch die Bildung und das Wachstum von Brustdrüsengewebe beim Mann (sog. Gynäkomastie) kann Folge eines Testosteronmangels sein.

Diagnose

Die Diagnostik erfolgt neben der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und der Durchführung einer symptombezogenen Untersuchung (z. B. Ultraschall der Hoden) auch durch eine (morgendliche) Bestimmung des Testosteronspiegels im Blut. Zur weiteren Abklärung der Ursachen des Testosteronmangels sind dann auch weitere Hormonbestimmungen (z. B. LH, FSH und Prolaktin) erforderlich.

Therapie

Nach Ausschluss von Kontraindikationen (wie beispielsweise Prostata-Krebs) stehen zur Behandlung des Testosteronmangels Präparate in Form von Depot-Spritzen oder Gelen, die auf die Haut aufgetragen werden, zur Verfügung.

Gynäkomastie

Unter einer Gynäkomastie („Männerbrust“) versteht man die ein- oder beidseitige Entwicklung von Brustdrüsengewebe beim Mann, was mit schmerzhafter Schwellung, Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen und sogar Milchsekretion verbunden sein kann. Hiervon abzugrenzen ist eine Brustvergrößerung durch alleinige Zunahme des Fettgewebes, eine sog. Lipomastie.
Ursächlich können der Gynäkomastie Hormonstörungen, wie beispielsweise ein Testosteronmangel zugrunde liegen aber auch Medikamente, wie beispielsweise Spironolacton können eine Brustentwicklung beim Mann auslösen. Selten können sogar Tumoren des Hodens oder der Nebenniere Auslöser der Gynäkomastie sein.

Diagnose

Neben einer Erhebung der Krankengeschichte und einer Medikamentenanamnese umfasst die Diagnostik eine symptombezogene Untersuchung (Ultraschall der Brust und des Hodens) und umfassende Laboruntersuchung mit Fokus auf mögliche hormonelle Einflussfaktoren.

Therapie

Anhand der Ergebnisse muss dann entschieden werden welches Therapieverfahren (medikamentöse Therapie vs. Operation) am erfolgversprechendsten ist.

Prolaktinerhöhung

Das Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse, welches eine wesentliche Rolle bei der Milchbildung währen des Stillens hat. Seltener als bei der Frau kann auch beim Mann eine Erhöhung des Prolaktins vorliegen. 
Eine solche Erhöhung kann gelegentlich schlichtweg situativ (z. B. durch den Stress der Blutentnahme) bedingt sein, auch Medikamente (insbesondere Psychopharmaka) können eine Prolaktinerhöhung auslösen. Allerdings kann auch beim Mann eine Prolaktinerhöhung auf das Vorliegen eines (fast immer gutartigen) Tumors der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zurückzuführen sein. Ein solches Prolaktinom führt häufig zu einem Absinken der Testosteronspiegels mit entsprechenden klinischen Symptomen eines Testosteronmangels (sog. Sekundärer Hypogonadismus).

Diagnose

Neben einer Erhebung der Krankengeschichte inklusive Überprüfung  der aktuellen Medikation  ist in der Abklärung eine Blutuntersuchung zur Überprüfung der Hypophysenfunktion und u. U. sogar eine bildgebende Untersuchung der Hirnanhangsdrüse (i. d. R. MRT Hypophyse) nötig.

Therapie

Prolaktinome können in den meisten Fällen medikamentös behandelt werden, insbesondere bei sehr großen Prolaktinomen, die nicht (ausreichend) auf Medikamente ansprechen, kann aber auch eine Operation erforderlich werden.