Die Nebenniere – keine Nebensache

Die Nebenniere liegt mützenförmig oberhalb jeder Niere. Sie wird in die Nebennierenrinde (Cortex) und das Nebennierenmark unterteilt und bildet vor allem Stresshormone. Nach einem Stressreiz können diese innerhalb kurzer Zeit ausgeschüttet werden. Andere Hormone der Nebenniere besitzen Eigenschaften von männlichen Hormonen und werden sowohl beim Mann als auch bei der Frau gebildet (adrenale Androgene). 
Die Steuerung der Nebennierenrindenfunktion findet durch Hormone der Hypophyse und teilweise auch andere hormonelle Botenstoffe statt.
 Das Nebennierenmark bildet Adrenalin und Noradrenalin als weitere wichtige Stresshormone. 
Bei Erkrankungen der Nebennierenrinde können sowohl eine vermehrte Hormonausschüttung als auch ein hormoneller Mangel auftreten. Eine Überproduktion von Hormonen kann sich durch einen erhöhten Blutdruck sowie zusätzliche Beschwerden oder durch eine vermehrte Wirkung von männlichen Hormonen ausdrücken. Beide Beschwerdebilder können auch gemeinsam auftreten.
 Erkrankungen des Nebennierenmarks führen insbesondere zu einer vermehrten Bildung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.

Diagnose

Zunächst erfragen wir Ihre Beschwerden und Sie berichten Ihre Krankengeschichte. Hat sich nach einer speziellen körperlichen Untersuchung der Verdacht auf eine Nebennierenerkrankung bestätigt, erfolgen eine Blut- und ggf. eine Urinuntersuchung. Dabei muss berücksichtigt werden, welche Medikamente Sie zum Zeitpunkt der Blutuntersuchung einnehmen. Bringen Sie deshalb bitte eine Liste Ihrer Medikamente zu jeder Erstuntersuchung mit. Manchmal sind noch spezielle Hormontests erforderlich. Die meisten dieser Bluttests erfordern unter Umständen mehrere Stunden, sind aber nebenwirkungsarm und wenig belastend. Finden sich auffällige Befunde, ist meist eine bildgebende Untersuchung der Nebennieren (Ultraschall, Computertomographie oder Kernspintomographie, ggf. weitere Untersuchungen) erforderlich.

Therapie

Wir beraten Sie nach Vorliegen des genauen Befundes individuell über eine eventuell notwendige Therapie. Hierbei umfasst die Therapie von Erkrankungen der Nebenniere sowohl medikamentöse als auch operative Behandlungsformen.
Bei einer Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison) müssen die Hormone der müssen medikamentös ersetzt werden. Dies umfasst in der Regel die Supplementation mit Hydrokortison, allerdings häufig auch mit Mineralocortikoiden und optional auch DHEA. Über die speziellen Anwendungen in verschiedenen Lebenssituationen muss die Patientin/der Patient entsprechend geschult werden und erhält einen speziellen Kortison-Notfallausweis.
Eine tumoröse Mehrproduktion von Cortisol nennt man im Falle eines Nebennierentumors ACTH-unabhängiges Cushing Syndrom. Operation ist Therapie der 1. Wahl. Postoperativ besteht eine Nebenniereninsuffizienz, die unterschiedlich lang andauert und entsprechend substituiert werden muss. 
Die tumoröse Mehrproduktion von Aldosteron wird Conn-Syndrom genannt. Wird Aldosteron durch beide Nebennieren vermehrt gebildet, wird dies als idiopathischer Hyperaldosteronismus bezeichnet. Im Gegensatz zum Conn-Syndrom erfolgt hier statt einer Operation eine medikamentöse Therapie. 
Produziert ein Tumor des Nebennierenmarks Katecholamine (Noradrenalin oder nur Adrenalin), wird dies Phäochromozytom genannt. Als Paragangliom wird hierbei eine Mehrproduktion von Katecholaminen durch einen Tumor außerhalb der Nebennieren bezeichnet.