Neues aus der Wissenschaft

01.04.2022 | Wiederholte Aborte und Frühgeburten

Seit langem gibt es Hinweise, dass Frauen nach wiederholten Aborten im Verlaufe einer Folgeschwangerschaft eine höhere Komplikationsrate aufweisen. Ein aktueller Review mit Meta-Analyse beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von wiederholten Aborten (≥ 2) und Frühgeburten (Lebendgeburt vor der vollendeten 37. SSW) (Wu et al. Preterm birth after recurrent pregnancy loss: a systematic review and meta-analysis. Fertil. Steril. 2022; Feb 5: Online ahead of print, doi: 10.1016/j.fertnstert.2022.01.004).
Eingeschlossen wurden 18 Studien mit insgesamt 58 766 Frauen nach ≥ 2 Aborten sowie 2 949 222 Frauen ohne Aborte.

In der Gruppe nach Aborten lag das Risiko für eine Frühgeburt 1,6fach höher (OR 1,60; 95% CI 1,45 – 1,78). In einer Subgruppenanalyse zeigte sich mit zunehmender Abortzahl ein Trend zu steigenden Frühgeburtsraten:

  • 2 Aborte: OR 1,31; 95% CI 1,09 – 1,57
  • ≥ 2 Aborte:  OR 1,58; 95% CI 1,27 – 1,96
  • ≥ 3 Aborte: OR 1,81; 95% CI 1,58 – 2,07

Trotz der von den Autoren bemängelten Heterogenität der Studien zeigte sich bei Frauen nach wiederholten Aborten ein signifikant höheres Frühgeburtsrisiko in nachfolgenden Schwangerschaften. Mögliche ätiologische und andere Faktoren als Erklärung für diesen Zusammenhang sind derzeit unklar. Die Autoren empfehlen zur Klärung weitere Untersuchungen auch zu anderen Outcome-Parametern wie z.B. der intrauterinen Wachstumsretardierung, der Präeklampsie etc. sowie eine intensivere Überwachung derartiger Schwangerschaften.

Prof. Dr. med. Frank Nawroth