Hormonstörungen des Mannes (Andrologie)

Geschlechtsspezifische Unterschiede spielen bei vielen Gesundheitsstörungen eine wichtige Rolle, insbesondere auch bei hormonellen Erkrankungen. Im Fachbereich  Andrologie befassen wir uns  insbesondere mit den typischen Hormonstörungen des Mannes, welche eine (geschlechts-)spezifische Diagnostik und Therapie erforderlich machen, um den betroffenen Männern helfen zu können. Ein besonderer Fokus unserer Tätigkeit  liegt auf der Abklärung des unerfüllten Kinderwunsches beim Mann.

Männliche Infertilität

Vater werden ist nicht schwer?

Wenn ein Paar ungewollt kinderlos ist, kann durchaus auch ein Fruchtbarkeitshindernis auf männlicher Seite vorliegen. Kommt es innerhalb eines Jahres nicht zu einer spontanen Schwangerschaft, so ist es sinnvoll, beide Partner –also auch den Mann-  zu untersuchen.

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Diagnose

Neben einer Erhebung der medizinischen Vorgeschichte umfasst die Diagnostik eine symptombezogene Untersuchung (inklusive Ultraschalluntersuchung des Hodens) und umfassende Laboruntersuchungen mit Fokus auf mögliche hormonelle Einflussfaktoren. Die zentrale Untersuchung bei der Abklärung der männlichen Fruchtbarkeit ist das Spermiogramm.
Bei der Erstellung des Spermiogramms gehören die Bestimmung der Spermienzahl,  der Spermien-Beweglichkeit und der Form der Spermien zu den Standardparametern, zusätzlich kann -je nach klinischem Hintergrund- eine sog. Aufbereitung (swim-up test) und ein Test auf Spermienantikörper (MAR-Test) erfolgen.
Wenn Sie ein paar einfache Dinge beachten, ist die Erstellung eines Spermiogramms in unseren Praxisräumen ein ganz einfacher Vorgang, vor dem Sie keinerlei Scheu zu haben brauchen. Eine entsprechende Patienteninformation hierzu können Sie über unsere Praxis bekommen.
Es sollte vor allem beachtet werden, dass der letzte Samenerguss nicht weniger als ca. drei, aber höchstens etwa fünf Tage zurückliegen sollte.
Die Erstellung des Spermiogramms erfolgt bei uns standardisiert nach den Qualitätsanforderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und wird in Ringversuchen durch die QuaDeGA (Deutsche Gesellschaft für Andrologie) kontrolliert.

Therapie

Die Ergebnisse der obigen Untersuchungen inklusive Spermiogramm lassen Rückschlüsse auf die Ursache von Fertilitätsstörungen zu. Je nachdem, welche Ursache und welcher Schweregrad festgestellt wird, erfolgt die Empfehlung zu einer entsprechenden Therapie. Diese kann von der Optimierung der Rahmenbedingungen für eine natürliche Konzeption über eine medikamentöse Therapie bis hin zur reproduktionsmedizinischen Maßnahmen wie Insemination, IVF, ICSI, TESE/ICSI reichen.

Hypogonadismus

Wenn das „starke Geschlecht“ an Kraft verliert

Die klinisch bedeutsamste Hormonstörung des Mannes stellt sicherlich der Testosteronmangel (Hypogonadismus) dar. Die männliche Testosteronproduktion  findet im wesentlichen in den Hoden statt, welche dabei durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) reguliert werden. Je nachdem, wo bei einem Testosteronmangel die Störung lokalisiert ist, spricht man bei Funktionsstörungen des Hodens von einem „primären“ und bei Funktionsstörungen der Hirnanhangsdrüse von einem „sekundären“ Hypogonadismus. Eine Mischform zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus stellt der altersassoziierte Testosteronmangel (sog. „late-onset Hypogonadismus“) dar. Klinische Zeichen eines Testosteronmangels können sexuelle Symptome wie der Verlust der sexuellen Lust (Libido) oder Erektionsstörungen, insbesondere der Verlust spontaner morgendlicher Erektionen sein. Daneben kann ein Testosteronmangel aber auch zu Antriebsverlust und Depressivität, Gewichtszunahme und Osteoporose führen.  Auch die Bildung und das Wachstum von Brustdrüsengewebe beim Mann (sog. Gynäkomastie) kann Folge eines Testosteronmangels sein.

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Diagnose

Die Diagnostik erfolgt neben der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und der Durchführung einer symptombezogenen Untersuchung (z. B. Ultraschall der Hoden) auch durch eine (morgendliche) Bestimmung des Testosteronspiegels im Blut. Zur weiteren Abklärung der Ursachen des Testosteronmangels sind dann auch weitere Hormonbestimmungen (z. B. LH, FSH und Prolaktin) erforderlich.

Therapie

Nach Ausschluss von Kontraindikationen (wie beispielsweise Prostata-Krebs) stehen zur Behandlung des Testosteronmangels Präparate in Form von Depot-Spritzen oder Gelen, die auf die Haut aufgetragen werden, zur Verfügung.

Gynäkomastie

Die störende Männerbrust

Unter einer Gynäkomastie versteht man die ein- oder beidseitige Entwicklung von Brustdrüsengewebe beim Mann, was mit schmerzhafter Schwellung, Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen und sogar Milchsekretion verbunden sein kann. Hiervon abzugrenzen ist eine Brustvergrößerung durch alleinige Zunahme des Fettgewebes, eine sog. Lipomastie.
Ursächlich können der Gynäkomastie Hormonstörungen, wie beispielsweise ein Testosteronmangel zugrunde liegen aber auch Medikamente, wie beispielsweise Spironolacton können eine Brustentwicklung beim Mann auslösen. Selten können sogar Tumoren des Hodens oder der Nebenniere Auslöser der Gynäkomastie sein.

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Diagnose

Neben einer Erhebung der Krankengeschichte und einer Medikamentenanamnese umfasst die Diagnostik eine symptombezogene Untersuchung (Ultraschall der Brust und des Hodens) und umfassende Laboruntersuchung mit Fokus auf mögliche hormonelle Einflussfaktoren.

Therapie

Anhand der Ergebnisse muss dann entschieden werden welches Therapieverfahren (medikamentöse Therapie vs. Operation) am erfolgversprechendsten ist.

Prolaktinerhöhung

Das „Stillhormon“ im Manne

Das Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse, welches eine wesentliche Rolle bei der Milchbildung während des Stillens hat. Seltener als bei der Frau kann auch beim Mann eine Erhöhung des Prolaktins vorliegen.
Eine solche Erhöhung kann gelegentlich schlichtweg situativ (z. B. durch den Stress der Blutentnahme) bedingt sein, auch Medikamente (insbesondere Psychopharmaka) können eine Prolaktinerhöhung auslösen. Allerdings kann auch beim Mann eine Prolaktinerhöhung auf das Vorliegen eines (fast immer gutartigen) Tumors der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zurückzuführen sein. Ein solches Prolaktinom führt häufig zu einem Absinken der Testosteronspiegels mit entsprechenden klinischen Symptomen eines Testosteronmangels (sog. Sekundärer Hypogonadismus).

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Diagnose

Neben einer Erhebung der Krankengeschichte inklusive Überprüfung  der aktuellen Medikation  ist in der Abklärung eine Blutuntersuchung zur Überprüfung der Hypophysenfunktion und u. U. sogar eine bildgebende Untersuchung der Hirnanhangsdrüse (i. d. R. MRT Hypophyse) nötig.

Therapie

Prolaktinome können in den meisten Fällen medikamentös behandelt werden, insbesondere bei sehr großen Prolaktinomen, die nicht (ausreichend) auf Medikamente ansprechen, kann aber auch eine Operation erforderlich werden.