Osteologie

Auch Knochen können krank werden

Die Osteologie (von gr. osteon = Knochen) bezeichnet die Lehre von den Erkrankungen der Knochen und des Skeletts. Sie stellt eine Schnittstelle zwischen Orthopädie und Endokrinologie dar, denn viele Erkrankungen der Knochen betreffen deren Stoffwechselprozesse. Ein Schwerpunktthema ist dabei die Volkskrankheit Osteoporose, die in unserem Facharzt-Zentrum diagnostiziert und behandelt wird.

Osteoporose

Wenn Knochen brüchig werden

Video: NDR Visite – Interview mit Dr. Bullmann

Osteoporose ist eine Knochenkrankheit mit einem hohen Risiko für Knochenbrüche. Ursachen sind ein Verlust an Knochenmasse und eine Veränderung der baulichen Architektur des Knochens. Die Anzahl der für die Stabilität des Knochens verantwortlichen Knochenbälkchen ist vermindert.
Das Heimtückische an dieser Krankheit ist, dass eine Osteoporose bereits bestehen kann, ohne dass sie Beschwerden verursacht. Sie kann durch eine Messung der Knochendichte diagnostiziert werden. Sind bereits Knochenbrüche z.B. der Wirbelkörper eingetreten, führen diese häufig zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen.

Die Osteoporose ist eine häufige Erkrankung. Sie betrifft mehr Frauen als Männer.

Das Osteoporose Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Mit etwa 30 Jahren hat jeder Mensch seine maximale Knochenmasse aufgebaut, die dann etwa ab dem 40. Lebensjahr allmählich wieder verloren geht. Auch erbliche Faktoren können zu einer Osteoporose führen. Neben den genannten - nicht beeinflussbaren- Faktoren gibt es auch beeinflussbare Risikofaktoren: Hierzu zählen Bewegungsmangel, Untergewicht, ein Mangel an Sexualhormonen und die Anwendung bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Cortison.

©glisic_albina/stock.adobe.com
©jovannig/stock.adobe.com

Diagnose

Liegen Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoporose vor, kann die Durchführung einer Knochendichtemessung zur Diagnose führen, bevor es zu Frakturen gekommen ist und damit eine frühzeitige Therapie ermöglichen.
Nach Auftreten Osteoporose typischer Knochenbrüche ermitteln wir im ersten Schritt, welche osteoporotischen Risikofaktoren vorliegen.
Im nächsten Schritt wird durch Messung der Knochendichte mittels DXA-Methode (dual X-ray absorbency) an der Lendenwirbelsäule und an der Hüfte die Diagnose ggf. bestätigt. In unserer Praxis wird die DXA mit einem modernen Gerät (GE Lunar Prodigy pro) und somit minimaler Strahlenbelastung durchgeführt.

Optional können wir zusätzlich eine Messung des Trebecular-bone-score (TBS) durchführen.
Diese ermöglicht die zusätzliche Beurteilung der Bälkchenstruktur des Knochens und gibt hierdurch weitere Informationen zum Knochenbruchrisiko, insbesondere bei sogenannten sekundären Osteoporosen

Um sekundäre Osteoporosen festzustellen bzw. auszuschließen führen wir Blut- und ggf. Urinuntersuchungen durch.
Nach Abschluss der Diagnostikerfolgt die Beratung über die für Sie beste Therapie.

KnochendichtemessungTBS-Messung

 

Therapie

Für eine Therapie der Osteoporose ist es nie zu spät! Wir unterscheiden in der Therapie der Osteoporose zwischen Basismaßnahmen und der medikamentösen Osteoporose Therapie.
Zu den Basismaßnahmen gehören: Minimierung beeinflussbarer osteoporotischer Risikofaktoren (zum Beispiel das Vermeiden von Untergewicht und Nikotinkonsum), körperliches Training und Sturzvorbeugung sowie eine ausgewogene kalziumreiche Ernährung,

Die medikamentöse Basistherapie umfasst eine ausreichende Kalziumzufuhr, die häufig über die Ernährung gewährleistet werden kann. Hilfreich kann eine Eigenbeurteilung der täglichen Kalziumzufuhr durch Verwendung eines sogenannten Kalzium-Rechners aus dem Internet sein (Beispiel als Link: https://www.gesundheitsinformation.de/kalzium-rechner.2032.de.html). Wenn eine ausreichende Kalziumzufuhr über die Ernährung allein nicht erreicht wird, kann eine Supplementierung notwendig sein.
Meistens ist auch die Einnahme von Vitamin D erforderlich. Sonneneinstrahlung fördert die körpereigene Vitamin D-Bildung. Im Winter reicht die Sonnenstrahlung – insbesondere in Norddeutschland - für eine ausreichende Vitamin D-Bildung meistens nicht aus. Nur wenige Lebensmittel enthalten Vitamin D (z. B. Hering oder Lachs), so dass eine alleinige Zufuhr über die Ernährung nicht gewährleistet werden kann.
Wir beraten Sie anhand des ermittelten Risikos für einen Knochenbruch individuell über den Einsatz von speziellen Osteoporose-Medikamenten. Erfreulicherweise stehen heute verschiedene Osteoporose-Medikamente zur Verfügung.
In die Entscheidung, welche Therapie für Sie die beste/ geeignetste ist, fließen neben dem Ausmaß der Befunde natürlich auch die individuelle Verträglichkeit, mögliche Begleiterkrankungen und -medikationen ein. Da die Osteoporose eine chronische Erkrankung ist, wird ein Therapieplan für mehrere Jahre erarbeitet und über die Jahre in regelmäßigen Abständen überprüft und ggf. angepasst..

In den ersten drei Monaten nach Eintritt eines osteoporotischen Knochenbruchs ist häufig eine begleitende Schmerztherapie notwendig. In einigen Fällen sind auch chirurgisch-orthopädische Maßnahmen zur Stabilisierung des Knochens erforderlich.

Sekundäre Osteoporoseformen

Als sekundäre Osteoporoseformen bezeichnet man eine Osteoporose, die durch andere Krankheiten ausgelöst wird. Mögliche Erkrankungen, die hier zu Grunde liegen, sind das Cushing-Syndrom, der primäre Hyperparathyreoidismus, die Zöliakie, die Hyperthyreose, ein Hypogonadismus, ein multiples Myelom und selten die systemische Mastozytose.
Besteht der Verdacht auf eine knocheneigene Erkrankung, müssen manchmal erweiterte Diagnoseverfahren zu Hilfe genommen werden; zum Beispiel die Durchführung einer Knochenstanze mit feingeweblicher Untersuchung des Knochens.

Im Rahmen der Erstdiagnose der Osteoporose, aber auch im Falle einer deutlichen Verschlechterung der Osteoporose im Verlauf ist eine entsprechende Abklärung durch spezifische Laboruntersuchungen erforderlich.

Weiterführende Links

Video: NDR Visite – Thema Osteoporose
(Interview mit Dr. Bullmann; Stand: 26.01.2016)

zum Video

Kalzium-Phosphat-Stoffwechselstörungen

Knochenbaustoffe im Ungleichgewicht

Der Stoffwechsel von Kalzium und Phosphat, den wichtigsten Grundstoffen der Knochen, unterliegt im menschlichen Körper einer engen Regulation. Für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts sind verschiedene Faktoren und Funktionen erforderlich. Diese sind die tägliche Kalzium- und Phosphatzufuhr über die Ernährung, die Aufnahme im Darm sowie die regelrechte Ausscheidung über die Niere und schließlich den Urin. Hormonell wird der Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel  durch die beiden Hormone Vitamin D und Parathormon reguliert. Durch spezifische Regulationsmechanismen kommt es bei geringstem Abfall des Serumkalzium-Spiegels zu einer vermehrten Bildung des aktiven Vitamin D (Kalzitriol). Die Aktivierung des Vitamin D hingegen wird durch Parathormon gesteuert, sodass beide Hormone für die Aufrechterhaltung des Kalziumspiegels erforderlich sind.

©Masterfile (Royalty-Free Division)

Diagnose

Die Diagnose einer Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel-Störung wird anhand einer speziellen Anamnese evaluiert. Neben der körperlichen sind laborchemische Untersuchungen entscheidend, um die Diagnose einzugrenzen. Zuletzt folgen spezielle bildgebende Untersuchungen (Sonographie, ggf. Szintigraphie).

Therapie

In Abhängigkeit von der Ursache der Stoffwechselstörung erfolgt eine spezifische Behandlung.
Je nach Ausmaß und Ursache ist eine medikamentöse Therapie manchmal vorübergehend, häufig jedoch über längere Zeit erforderlich.

So kann es im Rahmen einer Zöliakie zu einer Aufnahmestörung von Kalzium kommen, die sich unter glutenfreier Ernährung vollständig normalisiert.
Wird  eine Hyperkalzämie durch einen primären Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüse) ausgelöst, ist häufig eine Operation erforderlich.
Sehr selten liegt einer Hypophosphatämie ein tumoröses Geschehen zugrunde (onkogene Osteomalazie) ,. In diesem Fall ist eine operative Therapie unerlässlich.

Osteomalazie

Schleichende Demineralisierung der Knochen

Die Osteomalazie (im Kindesalter Rachitis genannt) ist eine schmerzhafte Erweichung des Knochens durch fehlende Mineralisierung der Knochengrundsubstanz. Neben der fehlenden Zufuhr oder verminderten Aufnahme von Kalzium durch eine Resorptionsstörung des Darms können eine vermehrte Phosphatausscheidung (Beispiel angeborene Phosphat-Diabetes) sowie ein Vitamin-D-Mangel ursächlich sein.
Die häufigsten Ursachen sind sicherlich eine  Resorptionsstörung von Kalzium und ein Mangel an Vitamin-D. Zu letzterem kommt es gehäuft bei Patienten mit  vermehrter Hautpigmentierung, die  im nordeuropäischen Raum leben –hier wird die Osteomalazie auch als  Immigrations-Osteomalazie bezeichnet.

©Olga Yastremska/stock.adobe.com

Diagnose

Die Diagnose der Osteomalazie wird zum einen durch die spezifische Anamnese einschließlich der Abfrage spezifischer Beschwerden, durcheine entsprechende körperliche Untersuchung gestellt und durch spezielle Laboruntersuchungen verifiziert. Gegebenenfalls ist eine bildgebende Diagnostik erforderlich, manchmal auch eine ursächliche Abklärung einer zu Grunde liegenden Magen-Darm-Erkrankung.

Therapie

Die Therapie zielt zunächst auf eine ursächliche Behandlung der Grunderkrankung, sofern eine solche vorliegt. Die initiale Behandlung der Osteomalazie umfasst zudem eine hochdosierte Kalzium- und Vitamin-D-Supplementation. Die Vitamin-D-Supplementation muss in Abhängigkeit von der Grunderkrankung manchmal auch als Injektion verabreicht werden.
Die zur Diagnose führenden diffusen Knochenschmerzen werden durch Mineralisation des Knochens im Rahmen der Therapie gebessert.